
KOCH—STUBE INTERNATIONAL
Kenia

Die kenianische Küche erzählt von Bewegung, Handel und Begegnung. Über Jahrhunderte war die ostafrikanische Küste Teil eines dichten Netzes aus arabischen, indischen und afrikanischen Einflüssen. Gewürze, Reisgerichte, Tamarinde und Kokos fanden ihren Weg nach Kenia – und wurden dort zu etwas Eigenem.
Bei der KOCH—STUBE INTERNATIONAL im November 2026 brachten Maureen Bartling und Yvonne Owiti diese kulinarischen Geschichten aus Nakuru in die SPINN—STUBE. Ihre Gerichte stehen für Familie, Festtage und das gemeinsame Essen als Ort der Verbundenheit – zwischen Kenia und dem Oberharz.
Maureen und Yvonne, beide in Nakuru geboren, brachten in die SPINN—STUBE nicht nur Rezepte mit, sondern Erinnerungen an Landschaft, Musik und Familie. Auf die Frage, was für sie typisch Kenia sei, kam die Antwort schlicht und direkt:
„Schönes Wetter. Lecker essen! … Also die Menschen sind mehr fröhlich.“
Und genau diese Mischung aus Wärme, Gewürzen und Geselligkeit prägte den Abend.
KENIANISCHES BIRIYANI (HÄHNCHEN MIT GEWÜRZREIS)
„Wir haben heute Biryani vorbereitet. Das ist eine Art Hähnchen … mit Reis.“
Ein Festtagsgericht der ostafrikanischen Küste. In Kenia wird Biriyani besonders zu Feiern und Familienanlässen serviert. Jede Familie hat ihre eigene Gewürzmischung – Geduld und Schichten sind das Geheimnis.
Zubereitungszeit: ca. 90 Minuten
Portionen: 4–6 Personen
„Das ist Biryani. Das nennt sich Biryani. Das ist eine Mischung von unterschiedlichen Gewürzen. Ingwer, Knoblauch. Kummel, Muskat. … Kardamom, Zimt, alles. Ja, Kurkuma, Zimt. Das ist eigentlich so eine Mischung.(...) Hier kriegt man das nicht. … Die machen das in Kenia so, dass die zusammen kaufen und die mischen für einen.“
Zutaten
Für das Hähnchen:
Für den Reis:
Zubereitung
„Gestern habe ich Hähnchen gekauft … diese muss man 24 Stunden vorher abholen.“
(Für die grüne Paste:)
„Man kauft grüne Paprika und dann … ein bisschen Pfefferoni … grün und Koriander. Dann macht man das alles zusammen in einem Mixer. Und dann bekommt man so eine grüne Paste daraus.“
Vor dem Servieren vorsichtig vermengen.



VIAZI KARAI (GEWÜRZTE KARTOFFELN)
Ein beliebtes Straßenessen an Kenias Küste. Knusprig frittierte Kartoffeln, in einer würzigen Kichererbsen-Paste gewendet und goldbraun ausgebacken. Außen knusprig, innen weich – einfach, aber intensiv.
Zubereitungszeit: ca. 40 Minuten
Portionen: 4 Personen
Zutaten
Zubereitung
Mit Zitronensaft servieren.

CHAPATI (KENIANISCHES FLADENBROT)
Chapati kam über Handelswege aus Indien nach Ostafrika und ist heute fester Bestandteil vieler kenianischer Familienküchen. Es begleitet fast jedes Festgericht.
Zubereitungszeit: ca. 60 Minuten
Portionen: 8 Fladen
Zutaten
Zubereitung
In einer heißen Pfanne ohne Fett von beiden Seiten goldbraun backen.

UKWAJU (TAMARINDEN-GETRÄNK)
Ein erfrischendes Getränk aus Tamarinde, besonders an heißen Tagen beliebt. Süß, säuerlich, würzig – ein perfekter Ausgleich zu kräftigen Speisen.
Zubereitungszeit: 15 Minuten
Portionen: 4 Gläser
Zutaten
Zubereitung
KOKOS-SAUCE (MCHUZI WA NAZI)
Eine milde, cremige Sauce aus Kokosmilch, die besonders an der Küste Kenias verbreitet ist. Sie verbindet Reis, Fleisch und Gemüse.
Zutaten
Zubereitung
KENIANISCHE CHILI-SAUCE (PILI PILI)
„Pili pili“ bedeutet einfach „Chili“ auf Swahili. Diese Sauce bringt Schärfe, Säure und Frische auf den Teller – und wird individuell dosiert.
Zubereitungszeit: 10 Minuten
Zutaten
Zubereitung
Je länger sie steht, desto intensiver wird sie.
KACHUMBARI (FRISCHER TOMATEN-ZWIEBEL-SALAT)
Ein klassischer ostafrikanischer Frischsalat, der zu Fleisch- und Reisgerichten gereicht wird. Roh, direkt, lebendig.
Zubereitungszeit: 10 Minuten
Portionen: 4 Personen
Zutaten
Zubereitung
Zwischen Nakuru und Harz
Der Abend mit Maureen Bartling und Yvonne Owiti (von Janek Liebetruth)
Die Küche ist warm, es riecht nach Gewürzen, Reis dampft, jemand lacht. Maureen und Yvonne stehen nicht hinter einem Tresen, sondern mitten im Raum. Sie erklären, rühren, probieren, erzählen. Es wird schnell klar: Dieser Abend ist mehr als ein Kochkurs.
Als Maureen auf ihren Weg von Nakuru im Rift Valley bis in den Harz zurückblickt, sagt sie ruhig:
„Das war stark, alles was wir mitgemacht haben, war immer stark.“
„Stark“ meint hier nicht spektakulär. Es meint intensiv. Herausfordernd. Prägend. Migration, Sprachwechsel, Winter, kulturelle Missverständnisse – nichts davon war beiläufig.
Beide stammen aus Nakuru in Kenia. Eine Stadt im Rift Valley, bekannt für den Nationalpark, für Flamingoschwärme und weite Landschaften. Doch Kenia ist nicht nur Naturbild. Im Gespräch fällt auch die britische Kolonialgeschichte. Englisch als Amtssprache ist kein Zufall . Geschichte wirkt nach – in Sprache, in Bildung, in gesellschaftlichen Strukturen.
Und doch erzählen sie Kenia zuerst über Alltag.
Weihnachten zum Beispiel.
„Am 24. gehen wir alle in die Kirche.“ Und dann beschreibt Maureen, wie ihre Eltern kochten und mit den Kindern zu Kinderheimen fuhren:
„Meine Eltern haben immer viel gekocht und dann sind wir zu Kinderheimen gefahren und haben mit Kindern da gegessen und ein paar Stifte und Bücher verteilt.“
Kein Geschenkefokus. Sondern Gemeinschaft. Teilen. Verantwortung.
2011 kommt Maureen als Au-pair nach Deutschland. Was sie nach Wernigerode bringt? Zunächst eine Chance. Ein Jahr. Eine Erfahrung. Und dann die Liebe. Aus dem Au-pair-Aufenthalt wird ein Bleiben. Aus dem vorübergehenden Aufenthalt ein Lebensmittelpunkt.
Der Harz wird nicht nur Station, sondern Zuhause.
Das erste Mal Schnee? „Aufregend.“
Zwischen tropischem Hochland und Novembergrau liegen Welten.
Und dann ist da die Sprache.
Deutsch ist nicht selbstverständlich. Sie ist Arbeit. Entscheidung. Haltung. Maureen spricht darüber, dass sie Deutsch lernen wollte – nicht nur aus Pflichtgefühl, sondern aus Respekt. Wer hier lebt, so ihre Haltung, sollte versuchen, die Sprache zu sprechen. Nicht perfekt. Aber bemüht.
Im Gespräch merkt man: Sie spricht Deutsch direkt, manchmal mit Humor, manchmal mit Suchbewegungen – aber mit Selbstverständlichkeit. Nicht als Gast, sondern als Teil der Gesellschaft.
Auch der Lebensrhythmus unterscheidet sich.
„So kochen wir auch in Kenia eigentlich. So viele Stunden kann man bis zu zwei Stunden kochen und dann zusammen essen. Sehr oft. Sehr, sehr oft.“
Kochen ist Zeit. Gespräch. Gemeinschaft.
Und dann, mit einem Augenzwinkern:
„Mein Mann hier in der Küche macht das. Ja, zehn Minuten und dann fertig.“
Lachen im Raum. Aber auch ein leiser Hinweis auf unterschiedliche Alltagskulturen.
Dann wird das Gespräch ernster. „Es gibt Leute, die beleidigen.“
Maureen spricht offen über rassistische Erfahrungen. Über Wörter, die Geschichte tragen.
Über das N-Wort sagt sie klar:
„Das kommt aus der Sklaverei. (...) Das ist für mich ein Schimpfwort.“
Hier wird Kolonialgeschichte greifbar. Versklavung ist kein abstrakter Begriff, sondern Hintergrund heutiger Sprache.
Gleichzeitig differenziert sie. Sie spricht auch über das Wort „Neger“ und macht deutlich, dass sie Kontext und Haltung unterscheidet. Selbstbezeichnung ist für sie etwas anderes als Fremdzuschreibung. Sie spricht von sich als schwarze Frau, als Afrikanerin, als Kenianerin – selbstbewusst und ruhig. „Die sind selber frustriert.“
Das ist keine Verharmlosung. Es ist Einordnung. Und dann dieser Satz:
„Du musst das Beste draus machen.“ Er klingt einfach. Aber er trägt die Erfahrung von Migration, Anpassung, Durchhalten.
Heute lebt Maureen in Wernigerode, arbeitet, zieht Kinder groß. Yvonne ebenfalls. Cousinen aus Nakuru, jetzt Teil einer Harzer Gegenwart.
Und auf dem Tisch liegt Chapati. „Eigentlich Mehl und Wasser hat jeder.“
Reis wird goldgelb gefärbt.
„Das macht gar nichts für den Geschmack, aber es sieht geil aus mit der Farbe.“
Plötzlich ist „Afrika“ kein Klischee mehr. Kein Safari-Bild. Kein Nachrichtenmotiv. Sondern zwei Frauen, die im Oberharz leben, lachen, erzählen und kochen.
Am Ende sitzen alle um einen Tisch. „Dann sitzen sie alle drumherum.“
Genau das ist passiert.
Der Abend zeigte:
Kenia ist nicht nur Savanne.
Migration ist nicht nur Ankunft.
Und der Harz ist längst Teil afrikanischer Lebensgeschichten.
Nicht abstrakt.
Sondern konkret.
